Fritz Grögel

Archive for Dezember 2009|Monthly archive page

Uitstapjes

In Buiten on 21. Dezember 2009 at 22:39

Stedelijk Museum De Lakenhal, Leiden

Wenn Jan Willem uns Freitag nachmittags keine Vorlesung zu berühmten Grafikern und Typografen der Niederlande gibt, dann bereitet er entweder eine Exkursion vor, oder wir sind schon auf einer. Im Dezember zwei Highlights.

Zuerst die Theo van Doesburg Ausstellung in der Lakenhal in Leiden. Dazu kann ich nichts zeigen, weil fotografieren verboten war. Aber an der Stelle vielleicht mal zwei Aussprachprobleme ausräumen: Theo van Doesburg spricht sich Theo wann Duusbürch und nicht fann Dösburg. oe ist u, u ist ü und g am ende wird zu ch, solange kein n davor steht. Die Lakenhal ist das städtische Museum von Leiden, auf Niederländisch stedelijk, was man stee-dö-löck ausspricht, nicht stee-de-leik. Und was impliziert, dass nur vom Stedelijk zu sprechen in Deutschland zwar zumeist das Amsterdamer meint, in den Niederlanden aber irgendwie keinen Sinn ergibt.

Die Ausstellung ist in jedem Fall groß und gut bestückt. Bis 3. Januar ist sie noch in Leiden zu sehen, von Februar bis Mai 2010 dann im Tate Modern in London. Ein Katalog mit guten und vielen großen Bildern ist derzeit erhältlich, in englischer Sprache und für 25 Euro. Kann man nicht viel falsch machen.

Rotterdam Innenstadt

Mehr zeigen kann ich von der Exkursion zum Jahresabschluss vergangenen Freitag. Da waren wir in Rotterdam, der Stadt, in der Jan Willem lebt. In Rotterdam war ich einmal kurz Ende September. Und hab daher auch zwei Bilder aus wärmeren Zeiten hier reingemixt.

Rotterdam, Platz hinter dem Theater

Die Rotterdamer Innenstadt wurde am 14. Mai 1940 von den Nazis bombardiert. 800 bis 900 Menschen starben, etwa 80.000 wurden obdachlos, die Niederlande kapitulierten und wurden besetzt. Auf Grund dieser Geschichte gibt es städtebauliche Parallelen zu den zerbombten Städten in Deutschland. Rotterdam ist nicht hübsch und niedlich, wie die meisten Städte in Holland, sondern autogerecht, modern und mitunter hart. Allerdings muss ich sagen, dass ich vieles, was dort in den Fünfzigern und Sechzigern gebaut wurde, ausgesprochen elegant oder interessant finde.

Eine andere Folge des Bombardements ist, dass die Stadt nicht als fertig angesehen wird und gerade in den letzten 10 Jahren heftig umgebaut wird. Rund um den Bahnhof und an anderen Stellen der Stadt sprießen neue Hochhäuser aus dem Boden, von denen auch wieder viele extrem cool aussehen.

Sinterklaas mit, nein, das ist kein Baumkuchen

Als erstes sind wir zu Rotterdams Kulturmeile gelaufen, die im Südwesten zwischen Innenstadt und Wasser liegt. Auf dem Weg hat uns diese zeitgenössische Variation des Sinterklaas für sich eingenommen. Geht also auch ohne Zwarte Pieten.

Huis Sonneveld, Esszimmerecke

Das Haus Sonneveld war das Ziel, die modernistische Villa eines Tabakindustriellen von 1933. Das haben die Bomben nicht erwischt. Spektakulär im Haus sind die Farben, die nicht dem üblichen modernistischen Rot-gelb-blau entsprechen und die vielen technischen Details, die seinerzeit revolutionär waren: Hausradio in allen Zimmern, Wäscheschlucker auf den Fluren, zentral gesteuerte Uhren an den Wänden. Toll ist auch, dass man überall rumlaufen und sich sogar hinsetzen darf, wenn es nicht ausdrücklich verboten ist. Aber Überzieher müssen an die Füße. Sehr niedlich.

Sonneveld Salon

v

Yohanna

Die Treppe

Dann sind wir rüber ins Museum Boijmans-van-Beuningen, dem Museum der Stadt. Das hat auch einen Bau aus den Dreißigern, der allerdings ganz anders daherkommt. Schickstes Detail ist der Leuchtturm, der früher immer dann beleuchtet wurde, wenn im Haus am Abend eine Lesung war. Heute ist das Licht leider immer an. Wie uncharmant.

Boijmans Leuchtturm

Im Boijmans haben wir uns die Ausstellung zum Designpreis der Stadt Rotterdam angesehen. Da waren jede Menge wirklich intelligenter und schöner Dinge zu sehen. Besonders angetan hat es mir die Garderobe des Museums, die Teil des Designpreises war, aber vom Museum angekauft wurde und dort deswegen bleiben wird.

Garderobe Boijmans

Garderobe Boijmans

Die Gaderobe ist rund und aus vielen Seilzügen aufgebaut. Man kann über ein Gegengewicht einen Kleiderbügel hochziehen und runterlassen und dort seine Sachen aufhängen. Hat man alles oben, kann man den Seilzug über ein Schloss arretieren und den Schlüssel einstecken. Fun !

Schneemann

Vom Boijmans ging es dann an diesem schönen Schneemann vorbei an den Fluss. Jan Willem hat uns mein erstes Wassertaxi spendiert, das uns auf die andere Seite zum Hotel New York gebracht hat. In gefühlten 30 Sekunden. Überfun !

Von dort ging es weiter zum Studio Dumbar, wo uns aktuelle und historische Projekte bei Bier und Chips gezeigt wurden. Wir beschlossen den Tag in einem Restaurant auf er Witte-de-With-Straat. Davon gibt es aber keine Bilder, weil – zum ersten Mal ever – der Chip auf meiner Digicam voll war. Daher zum Schluss dieses Bild aus dem Wassertaxi. Winter kann so geil sein.

Wassertaxi

Approximation

In Het Leventje, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 22:30

Gebakkram_01

Gebakkram_02

Gebakkram_03

Sinter Class

In Binnen on 21. Dezember 2009 at 21:09

Cadeautjes

Aber Sinterklaas hat viele weitere Facetten, über die man nicht diskutieren muss. Eine sehr schöne haben wir in der Klasse zelebriert, wenn wir auch anscheinend nicht hunderprozentig die traditionellen Regeln eingehalten haben. Im Grunde haben wir gewichtelt, mit einer Geschenkausgabenobergrenze von fünf Euro.

Slavka mit Mütze

Jeder hat ein Los gezogen und dann kam das Beste: jeder musste ein Gedicht verfassen, das auf den Beschenkten gemünzt ist, ohne dessen Namen zu nennen. Die anderen mussten dann raten, wer der Beschenkte denn sei. Hier im Bild die Slavka, die gerade dran war und deswegen die Mütze auf hat. Rechts das ist der Kristyan und links die Tânia, die uns zur Feier des Tages wieder wunderbar bebacken hat.

Delícias taniânas

Poeme

Hier noch die versammelten Poeme. Hartstikkend leuk !

Sinterklaas

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 20:49

Groote Kerk

Seit etwa zwei Wochen ist es kalt geworden und klar und inzwischen sogar sehr weiß. Auch Holland liegt unter Schnee, was zu großem Verkehrschaos führt, auch bei den Schienenwegen durch die Stadt und übers Land. Mir ist es Grund zur Freude. Endlich kommt auch die Sonne mal wieder durch, nach vier Wochen Regen, von oben, von links, von rechts, von vorn.

Außerdem ist nichts schlimmer, als eine frühlingshafte Vorweihnachtszeit. Aber Weinachten spielt hier in den Niederlanden nicht die größte Rolle. Sinterklaas ist Trumpf, der heilige Nikolaus. Der kommt in Den Haag am Abend des 5. Dezember und bringt den Kindern Geschenke, wenn sie denn artig waren. Die Basisgeschichte geht so: Sinterklaas kommt mit einem Schiff aus Spanien. Er hat mehrere Helfer, Mohren, die Zwarte Piet heißen. Das schon mal nicht verwechseln mit Piet Zwart. Im Land fliegt Sinterklaas dann auf einem weißen Schimmel herum und verteilt seine Gaben durch den Schornstein in die Kinderschuhe.

Sinterklaas in der Oude Mol

Ganz erstaunlich ist allerdings, was niederländische Kultur und Industrie um diese Geschichte herum alles aufgebaut haben. Es geht damit los, dass die Ankunft des Sinterklaas (mit einem Dampfschiff) in den Niederlanden Mitte November live im niederländischen Fernsehen übertragen wird. Die Kinder werden ab da regelmäßig im Sinterklaasjournaal über den Stand der Dinge auf dem laufenden gehalten. Und natürlich gibt es immer wieder ernste Probleme, die zum Ausbleiben der Geschenke führen könnten.

Zwarte Piet aus Schokolade

Etwa zeitgleich kommen die Sinterklaas-Artikel in die Supermärkte. Man kann extra große Karotten kaufen, die speziell dazu dienen, das Pferd vom Nicolaus anzulocken. Fest zum Repertoire gehören auch Buchstaben aus Schokolade, die es traditionell zu Sinterklaas gibt. Die wiederum gibt es in edel und lecker (eher für die Großen) und in billo und süß. Mir hat Yohanna einen Schwarzen Peter aus guter Schokolade geschenkt. Hab ich aber noch nicht angebissen. Das ganze gipfelt dann darin, dass bei Albert Heijn in der Woche vor dem Fest Pappaufsteller im Eingang stehen, in die Kinder ihre Schuhe stellen, um sie vom Konzern beschickt wieder abzuholen.

Erst seit wenigen Jahren werden Stimmen lauter, die die Figur des Schwarzen Piets als eine rassistische Karrikatur des schwarzen Sklaven der niederländischen Kolonialgeschichte sehen. Seine Rolle ist zwiespältig, einerseits bringt er die Geschenke als Handlanger des Nikolaus, andererseits ist er auch fürs Bestrafen zuständig. Verteidiger versuchen klar zu stellen, dass der Schwarze Piet nur schwarz ist, weil er durch den Schornstein geht. Meine Schokladenfigur sagt mir da etwas anderes. Im Großen und Ganzen wollen die Niederländer von Rassismus in diesem Kontext nichts wissen, die Diskussion scheint von außen aufgedrückt. Diese Tradition ist ihnen zu lieb und zu heilig. Vielleicht wäre es ein Weg, auf Lippenrot, Schokofarbe und Kraushaarperrücke zu verzichten und die Gesichter mit echtem Ruß zu schwärzen. Vielleicht nehm ich euch das dann ab.

Kein Problem habe ich wiederum mit den Grüppchen Sinterklaas-und-Zwarte-Pieten, die abends durch die Kneipen ziehen, denn sie schmeißen Streugut. Ein weiteres holländisches Hitwort für meine Liste ! Streugut besteht überwiegend aus Spekulatius und ist richtig lekker.

Albert Din Pool

In Binnen on 21. Dezember 2009 at 16:20

Das blaue Lichtbad

En nog een ker conferencie: Albert Jan Pool gab sich die Ehre , einen Tag später, am 20. November. Sein Thema: »Sans-serif typeface — a Bauhaus myth?«. Mr. Pool hat sich inzwischen tief in die Recherche über den Ursprung konstruierter Serifenloser im deutschsprachigen Raum gebohrt und wird uns, so hoffe ich, bald mit einem Buch zum Thema beglücken.

Wir wurden mit einer zweistündigen Präsentation beglückt, deren einziger Problempunkt das Licht war. Die Fenster des Raumes waren komplett verdunkelt und die Präsentation mit Blau durchgestaltet. Ergo saßen wir zwei Stunden in einem blauen Lichtbad. Das ist heftig. Allerdings unterstreicht es, wie fesselnd die Präsentation war: Ich war keine fünf Minuten gelangweilt und danach voll frohen Mutes.

Friedrich Soennecken, Schreibmodelle

Im ersten Teil des Vortrages zeigte uns Albert Jan Pool seine Recherchesammlung von Lettering- und Schreibmodellen zwischen 1870 und 1920 anhand derer er aufzeigen konnte, dass die Entwicklung konsruierter, monolinearer Serifenloser bereits fünfzig Jahre vor dem Bauhaus nachweisbar ist. Aber eben mal wieder nicht im Bereich der Bleitypographie, sondern in in den Feldern reformerischer Schreiblernmethoden, der Lithographie, des angewandten Lettering für Firmenauftritte und der Letteringmethoden der Kunstgewerbeschulen.

TypoBasis_Geschichte_VI_S44

Auf die Details will ich hier nicht zu tief eingehen, weil ich nicht alle Quellen seiner Arbeit ins Netz posten möchte. Interessant fand ich vor allem die Figur des Friedrich Soennecken, der einerseits die Redisfeder oder Gleichzugfeder erfand, das ist die mit der kleinen Pfanne, die einen fast monolinearen Strich erzeugt. Über den war ich bei meinen Recherchen für die Vorlesungen an der FH Potsdam ebenfalls gestolpert, es ist allerdings kaum etwas über ihn im Netz zu finden. Seine Feder wird meines Erachtens im Kontext zur serifenlosen Typographie viel zu wenig beachtet, wenn man sich einmal vor Augen hält, wie dezidiert in der Fachliteratur immer auf den Zusammenhang von Anglaise / Spitzfeder und klassizistischer Typographie (Didot, Bodoni) und den von Humanistischer Minuskel / Breitfeder und Venezianischer Renaissanceantiqua (Jenson) hingewiesen wird.

Soennecken: Eine Empfehlungskarte der deutschen Schrift

Andererseits war Soennecken ein Verehrer von Friedrich Fröbel (dem Vater der Kindergärten) und den »Fröbelgaben« (pädagogischen Spielzeugen aus elementaren Grundkörpern — Konstrutivsmus ick hör dir trappsen) und zudem ein strammer Verfechter der Antiqua im Fraktur-Antiqua-Streit. So gab er einen »Schriftbaukasten« als Fröbelgabe heraus, mit dessen Metallelementen Kinder Buchstaben zusammenstellen und abdrucken konnten.

Im zweiten Teil nahm Albert Jan Pool die tatsächliche Involvierung des Bauhauses in die Entwicklung konstruierter, monolinearer Serifenloser genauer unter die Lupe und stellte fest, dass es um das Bauhaus herum eine ganze Menge von parallelen Entwicklungen anderer Personen gab, die mindestens genau so viel Beachtung verdienen. Names to drop sind hier Ernst Neufert, Mitglied des DIN-Ausschusses, Walter Porstmann und Walter Dexel, von dem ich kürzlich Arbeiten in einer Theo-van-Doesburg-Ausstellung in Leiden sehen konnte, darunter seine Jenaer Gaslaternen, die spektakulär sind.

Also: falls ihr Albert Din Pool (Zitat E. Spiekermann) demnächst irgendwo hören könnt: hingehen !

Type & Design, Academie Editie

In Binnen on 21. Dezember 2009 at 12:26
Dr. Peter Karow, Pionier der Schriftdigitalisierung

Dr. Peter Karow, Pionier der Schriftdigitalisierung. Im Hintergrund steht Frank E. Blokland.

Hoppse November Konferenz Konferenz. In der Woche nach Ludwigsburg ging es munter weiter mit Konferenzgehoppse. Am 18. gab es eine durch die Dutch Type Library von Frank E. Blokland veranstaltete Konferenz im Kurhaus von Scheveningen. Zu dem Anlass hat mich JB aus Paris besucht. Auf der Konferenz wurde Thomas Milo der Dr. Peter Karow Award for Font Technology & Digital Typography verliehen. Aber der Reihe nach.

Zur »richtigen« Konferenz ist JB aus Paris gegangen, ich hatte an dem Tag ganz gewöhnlich Unterricht. Das überaus Großartige war, dass Frank E. Blokland annähernd die gleiche Konferenz am darauf folgenden Tag in der KABK veranstaltete, quasi als zweiten Lauf. Extra für Studenten, aber mit allen Dingen, die man von Konferenzen kennt: vorherige Anmeldung, Einchecken mit Bezahlen der Konferenzgebühr (niedliche 5 Euro für die Lunch-Brötchen), Namensschildchen, großer Saal, Mikrophon, Halbdunkel, Projektion. Ich fands richtig toll.

John Hudson

John Hudson, Tiro Typeworks, British Columbia. Schöpfer von Cambria und Cambria Math (Microsoft Cleartype).

Los ging es mit einem Vortrag von Peter Rosenfeld über die Anfänge des Ikarus-Sytems und der Digitalisierung von Schrift bei URW in Hamburg in den 1970er Jahren, direkt gefolgt von einem Vortrag des Erfinders selbst, Dr. Peter Karow, zu dessen Ehren der Font Technology Award auch seinen Namen trägt. Absolut unverständlich ist, warum Karow noch keinen Artikel auf Wikipedia hat, Wolfgang Beinert aber schon. Sehr gespannt war ich auf John Hudson, der auf einem Eiland vor Vancouver Tiro Typeworks betreibt, öfters in der ATypI Mailingliste zu lesen ist und sich auf die harten Fälle des Typedesign spezialisiert hat, auf mathematischen Satz und nicht-lateinische Zeichensysteme.

Thomas Milo

Thomas Milo, Deco Type, Tasmeem-Software für arabischen Satz.

Am Nachnmittag kam dann ausführlich der Preisträger Thomas Milo zu Wort, der mit seiner Firma Deco Type die Software Tasmeem entwickelt hat, die erlaubt, nach den Regeln klassischer arabischer Kalligrafie in Indesign zu setzen. Milo ist kein gelernter Grafiker, sondern von Haus aus Linguist. Das machte seinen Vortrag ziemlich spannend. Überhaupt ist es bei Typedesign und Konsorten immer wieder erstaunlich, dass die Menschen aus den unterschiedlichsten Richtungen dort hin kommen. Einen Eindruck von dem, was er so macht kann man auf diesem relativ verrauschten Video von einer Konferenz an der St. Bride Library in London 2007 sehen. Ihn live zu erleben ist allerdings unvergleichlich besser, er sprüht vor Energie. Ihm verdanke ich auch den Aphorismus A language is a dialect with an army, der jetzt in meinem Notizbuch steht, farbig umrandet.

Stereotype

In Uncategorized on 21. Dezember 2009 at 12:17

Stereotype Vortrag

Mitte November war ich für drei Tage in Deutschland. Ich hatte das große Vergnügen, auf der Face-to-Face Konferenz in Ludwigsburg den Kick-off-Vortrag zu halten. Bei Face to Face geht es darum, Gestalter und Kunden gemeinsam auf die Bühne zu bringen und in Form eines Dialogs ihre Zusammenarbeit vorstellen zu lassen. Und darum, Deutschland mit einem stets wechselnden Partnerland in Berührung zu bringen und zu sehen, wie es dort läuft. Das diesjährige Partnerland war Frankreich, und deswegen war ich dabei.

Moi à Ludwigsburg

In meinem Vortrag habe ich versucht, Deutschen und Franzosen ihre eigene Schriftkultur vor Augen zu halten beziehungsweise sie für die des anderen zu sensibilisieren. Dafür habe ich tatsächlich zum ersten Mal mit Keynote gearbeitet und war schwer begeistert von den Möglichkeiten, die Präsentation damit einzusprechen und abzuspielen, zu üben. So schwer begeistert, dass ich den Vortrag Stereotype nun als Film exportiert habe, so dass auch ihr ihn euch ansehen könnt, und zwar wahlweise auf Deutsch oder Englisch. Leider ist meine Heimausstattung nicht so üppig und deswegen die Soundqualität weniger berauschend.

Die Vorträge in Ludwigsburg waren unterm Strich auf einem sehr schönen Niveau und die Palette an Projekten wirklich breit gefächert, obschon man sagen kann, dass Grafik und Kommunikation den Löwenanteil ausmachten. Ein paar Knüller des Freitagvormittags sind mir leider entgangen, weil Schlaf so dringend nötig war … Ebenfalls sehr gut war das allgemeine, »niederschwellige« Klima, Sprecher und Publikum überall munter im Schwatz vertieft. Und ! es gab Spätzle mit Linsen und andere schwäbische Leckereien, über die ich mich saumäßig gefreut habe.

Ludwigsburg bei Nacht und Regen

Von der Stadt Ludwigsburg habe ich leider nicht so viel gesehen. Am Tag der Anreise dachte ich zunächst Au weia. Die Strecke zwischen Bahnhof und Veranstaltungsort legte die Vermutung nahe, dass wohl doch ordentlich Bomben runtergekommen sind. Ziemlich viel westdeutscher Nachkriegscharme und ziemlich viel Trash. Eigentlich ein gefundenes Fressen für einen Lettering Walk. Zu dem kam ich aber gar nicht, weil mir das offizielle Programm zu gut gefiel. Zum Besuch des Schlosses reichte es aus gleichem Grund ebenfalls nicht. Aber: die hübsche, unbombardierte barocke Innenstadt habe ich dann doch noch gefunden und dort ein Lokal ganz nach meinem Geschmack.

Ludwigsburg Weinstube Klingel

Als ich die Tür zur Weinstube Klingel aufmachte, sah ich als erstes »die Oma« aus der Küche kommen, während die unterstellte Tochter oder Schwiegertochter am Tresen die »Getränke machte«. Wo es so ist, kann Essen und Trinken nicht so schlecht sein, dachte ich mir, und ja, es war gut und mit 12,80 für Braten und Bier auch noch günstig. Mein Tipp für Ludwigsburg: Weinstube Klingel !