Fritz Grögel

Archive for the ‘Het Leventje’ Category

Approximation

In Het Leventje, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 22:30

Gebakkram_01

Gebakkram_02

Gebakkram_03

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Sinterklaas

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 20:49

Groote Kerk

Seit etwa zwei Wochen ist es kalt geworden und klar und inzwischen sogar sehr weiß. Auch Holland liegt unter Schnee, was zu großem Verkehrschaos führt, auch bei den Schienenwegen durch die Stadt und übers Land. Mir ist es Grund zur Freude. Endlich kommt auch die Sonne mal wieder durch, nach vier Wochen Regen, von oben, von links, von rechts, von vorn.

Außerdem ist nichts schlimmer, als eine frühlingshafte Vorweihnachtszeit. Aber Weinachten spielt hier in den Niederlanden nicht die größte Rolle. Sinterklaas ist Trumpf, der heilige Nikolaus. Der kommt in Den Haag am Abend des 5. Dezember und bringt den Kindern Geschenke, wenn sie denn artig waren. Die Basisgeschichte geht so: Sinterklaas kommt mit einem Schiff aus Spanien. Er hat mehrere Helfer, Mohren, die Zwarte Piet heißen. Das schon mal nicht verwechseln mit Piet Zwart. Im Land fliegt Sinterklaas dann auf einem weißen Schimmel herum und verteilt seine Gaben durch den Schornstein in die Kinderschuhe.

Sinterklaas in der Oude Mol

Ganz erstaunlich ist allerdings, was niederländische Kultur und Industrie um diese Geschichte herum alles aufgebaut haben. Es geht damit los, dass die Ankunft des Sinterklaas (mit einem Dampfschiff) in den Niederlanden Mitte November live im niederländischen Fernsehen übertragen wird. Die Kinder werden ab da regelmäßig im Sinterklaasjournaal über den Stand der Dinge auf dem laufenden gehalten. Und natürlich gibt es immer wieder ernste Probleme, die zum Ausbleiben der Geschenke führen könnten.

Zwarte Piet aus Schokolade

Etwa zeitgleich kommen die Sinterklaas-Artikel in die Supermärkte. Man kann extra große Karotten kaufen, die speziell dazu dienen, das Pferd vom Nicolaus anzulocken. Fest zum Repertoire gehören auch Buchstaben aus Schokolade, die es traditionell zu Sinterklaas gibt. Die wiederum gibt es in edel und lecker (eher für die Großen) und in billo und süß. Mir hat Yohanna einen Schwarzen Peter aus guter Schokolade geschenkt. Hab ich aber noch nicht angebissen. Das ganze gipfelt dann darin, dass bei Albert Heijn in der Woche vor dem Fest Pappaufsteller im Eingang stehen, in die Kinder ihre Schuhe stellen, um sie vom Konzern beschickt wieder abzuholen.

Erst seit wenigen Jahren werden Stimmen lauter, die die Figur des Schwarzen Piets als eine rassistische Karrikatur des schwarzen Sklaven der niederländischen Kolonialgeschichte sehen. Seine Rolle ist zwiespältig, einerseits bringt er die Geschenke als Handlanger des Nikolaus, andererseits ist er auch fürs Bestrafen zuständig. Verteidiger versuchen klar zu stellen, dass der Schwarze Piet nur schwarz ist, weil er durch den Schornstein geht. Meine Schokladenfigur sagt mir da etwas anderes. Im Großen und Ganzen wollen die Niederländer von Rassismus in diesem Kontext nichts wissen, die Diskussion scheint von außen aufgedrückt. Diese Tradition ist ihnen zu lieb und zu heilig. Vielleicht wäre es ein Weg, auf Lippenrot, Schokofarbe und Kraushaarperrücke zu verzichten und die Gesichter mit echtem Ruß zu schwärzen. Vielleicht nehm ich euch das dann ab.

Kein Problem habe ich wiederum mit den Grüppchen Sinterklaas-und-Zwarte-Pieten, die abends durch die Kneipen ziehen, denn sie schmeißen Streugut. Ein weiteres holländisches Hitwort für meine Liste ! Streugut besteht überwiegend aus Spekulatius und ist richtig lekker.

Buntes

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 17. November 2009 at 12:40

Knorrfix für Dürüm

Großartige Initiative von Knörr: Dürüm jetzt zu Hause einfach selber machen ! Das geht wie mit dem Zauberstab und schmeckt der ganzen Familie. Ich bin ziemlich sicher, dass sich die Türkischen Dönermänner nicht sehr fürchten müssen.

Typhoon Mode

My Phoon is your Phoon.

Passende Mode für Sie und Ihn könnte ich jetzt im Lederatelier Typhoon kaufen. Das liegt auf meinem Weg zum Supermarkt. Nur leider hat der Laden immer schon zu, wenn ich hier vorbeikomme. Öffnungszeiten in Den Haag sind superprovinziell. Von 9 bis 6, manchmal 7, am langen Donnerstag (!) bis 9 oder 10. Meistens komme ich um halb Zehn aus der Academie. Also nix mit shopping. Nur Albert Hein hat immer und überall bis 10 auf. Und da grüßt mich dann eben dieses schöne Schild, dessen kommunikative Kraft nicht sehr verlässlich ist, also her mit roten Neonpfeilen. Großes Werbekino !

Hundepups

»Hondenpoep« (sprich Hondenpuup) ist eines meiner aktuellen Lieblingswörter, stark in Wettstreit mit »Uitvaartkist«. Letzte Ausfahrt: Kiste. Ich habe am Wochenende in Ludwigsburg übrigens festgestellt, dass wir im Deutschen für UI doch einen annähernden Laut haben, und zwar das schwäbische AU. Das ist ähnlich nasal und verzogen. Mein schwäbischer Lieblingwitz geht so: Kommt ne schwangere Frau zum Bäcker und sagt: I krigg a Broodt. Sagt der Bäcker: Sachen gibt’s !

Fahrn fahrn fahrn

In Het Leventje on 21. Oktober 2009 at 00:52
Den Haag Centraal von hinten

Den Haag Centraal von hinten

Flo hatte mich an meinem dritten Tag in Holland geimpft, dass ich nach einem Jahr hier kein böses Wort mehr für die Deutsche Bahn finden werde. Ich war sprachlos und ungläubig. Mein Eindruck von der Holländischen Bahn ist bisher sehr gut. Manchmal etwas rumplelig, auf verschiedenen Ebenen, aber alles in allem effizient und gut verfügbar. Das heute hatte Eventcharakter.

In Utrecht bin ich in einen älteren Doppelstockzug mit »Den Haag Centraal«-Anzeige gestiegen, am Gleis mit der Anschrift »IC Den Haag Centraal 21:45 h«. Ich habe die (niederländischen) Ansagen aufmerksam verfolgt, es kamen einige, allerdings nichts was den Zug vor meinen Augen betroffen hätte. Ich rauche eine Zigarette an der Rookzuil. Ich setze mich rein, in einen Wagen, in den zuvor zwei Holländer eingestiegen sind. Nach einer Weile geht das Licht aus und die Türen schließen. Ein Holländer springt auf, rennt zur Tür, kuckt raus auf die Anzeige, geht dann wieder ruhig zurück. Dann fährt der Zug an, in die falsche Richtung. Das Licht geht nicht wieder an. Es dämmert: der fährt ins Dépot. Scheiße.

Die zwei vermutlichen Berufskollegen (ein Mann und eine Frau mittleren Alters) springen herbei und wechseln eifrig Worte. Ich frage: »This train is not goingt to The Hague, right ?«. Schmunzeln, Lachen, »no, for sure not«. Doch der Spaß ist schnell vorbei. denn der Zug fährt ein ordentliches Stück raus aus dem Bahnhof. Mit dem Verschwinden des Bahnsteigs vor dem Fenster entschwindet jede Hoffnung auf schadensfreie Aufklärung dieses Irrtums.

Der Zug kommt zum Stehen und das Licht bleibt aus. Wir sind ziemlich in der Mitte des Zuges. Der Fahrer könnte jetzt austeigen und wir würden irgendwann vom Reinigungspersonal entdeckt werden. Aber wann irgendwann ? Gegenüber steht ein beleuchteter Zug, in dem Männer Müll einsammeln. Wir klopfen an die Scheibe, ich versuche, durch mein Feuerzeug ein Lichtzeichen zu geben, weil man uns im dunklen Zug nicht sehen kann, zumal die Fenster des anderen Zugs tiefer liegen als unsere. Wir können nur ihre Körper sehen, nichts oberhalb der Oberarme. Wir entdecken keine Reaktion auf unsere Zeichen.

Das Paar beschließt irgendwann, nach vorne zu laufen. Daran hatte ich schon gedacht, aber ich habe drei (!) Taschen bei mir, zwei große und eine kleine, insgesamt gerade so erträglich schwer. Ich fand mich nicht gerade supermobil. Aber natürlich bin ich hinterher. Dann die Ereichterung, die Vorhut kommt mit der Kavallerie entgegen. Ein Bahner, im Neonwestchen, der nett, pragmatisch und unaufgeregt die Situation klärt. Der Haken: Ausstieg vorne. Also wieder alles zurück, über die Mitte hinaus, in den hinteren Führerwagen.

Die Türen sind so eng, dass ich immer beidseitig anschlage und mich durchzwängen muss. Bei jeder Tür frage ich mich, ob dies wohl meine helle Jacke versaut. Dann sind wir vorne. Der Bahnbär bietet uns an, einen gefühlten Meter tief ins Gleisbett zu springen. Die Dame vor mir zögert und der Bär bietet eine Alternative mit Treppe an. Dazu muss er aber erst die Fahrerkabine öffnen und die dortige Klapptrapp ausklapp.

Der Bär hat aber auch telfoniert, bzw. natürlich gefunkt. Und siehe da, ein Rücktransport in Richtung Bahnhof wordt georganiseerd. Dazu müssen wir einen anderen parkenden Zug auf die gleiche Weise wieder beklimmen und wenig später verlassen, denn, wie man uns mittelt, müssten wir leider noch ein Stück laufen. Weiter als bis kurz vor den Beginn des Bahnsteiges können wir eben nicht fahren, weil wir sonst eine echte Störung im Betriebsablauf werden könnten.

Ich erreichte den nächsten IC nach den Den Haag, mit einer halben Stunde Verspätung. Am Bahnsteig musste ich nochmal 10 Minuten warten. Ich nahm den Schokoriegel aus meiner Tasche und beschloss, mir auf dem Heimweg definitiv ein Bier zu kaufen. Der Zug sah aus wie aus den Siebzigern, orange und braun, ein bisschen französisch, but then not,démodé, but bearing witness of a passado glorioso. Von Den Haag Centraal in die Molenstraat bin ich zum ersten Mal schwarz mit der Tram gefahren. Kein schlechtes Gewissen.

Türkei — Armenien oder Türkei—Armenien ?

In Het Leventje, Nederlandse Taal on 10. Oktober 2009 at 23:54

Heute habe ich mit Erstaunen und naiver, unbegründeter Freude die Nachricht von der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Armenien und der Türkei vernommen. Zunächst auf tagesschau/de. Ich bin gespannt, welche Details darüber in den kommenden Tagen bekannt werden. Die zweite Knallernachricht seit dem Friedensnobelpreis für Obama. Aber schon anders.

Ich bin auf den Seiten des NOS rumgesurft, der Nederlandse Omroep Stichting, und hab mir die Nachrichten auf Niederländisch angeschaut. Da krieg ich immerhin mit, welche Themen gesetzt werden und das ist interessant. Im Detail habe ich vieles nur halb oder vage verstanden. Aber festgestellt, dass ich mehr verstehe, wenn ich nicht glotze, sondern nur lausche. Beim Zähneputzen etwa oder beim Teekochen ist Niederländisch als reine Geräuschquelle ganz gut zu verfolgen. Aus Sprachschwaden werden dekodierbare Sequenzen, in unregelmäßiger Leichtigkeit und Länge und in unkalkulierbaren Intervallen.

Ein aktuelles Thema ist offensichtlich die Flutung eines Gebiets in Zeeland, das ent-poldert wird. Das ganze ist eine heikle Kiste mit vielen Schichten und Positionen. Im Kern geht es um die Zufahrt zum Antwerpener Hafen, die durch die Niederlande geht. Antwerpen ist seit Ziehung der Grenze zwischen dem heutigen Belgien und den Niederlanden vom Seezugang abgeschnitten, bzw. vom Wohlwollen der Nachbarn abhängig. Ein binationales Abkommen hat einen Plan abgestimmt, den Belangen der Belgier entgegenzukommen, wenn sie es bezahlen.

Flankierend wurden Renaturierungsmaßnahmen beschlossen, die einerseits dem Landschutz durch Rückbau dienen soll (einströmendes Hochwasser bekommt Lauffläche, besser Lastverteilung), andererseits dem Schaffen neuer Naturräume (was in jedem Fall kein blöder Einfall zu sein scheint). Aber es formiert sich heftiger lokaler Protest, unter anderem, weil der Niederländer dem Meer nicht gern was schenkt. Seit Jahrhunderten ging es stets um Landgewinn, Land zurückzugeben erscheint manchem völlig absurd.

Die Entdeckung des Tages sind die Radioclips der NOS. Ich habe den zu Obamas Preis und den zur heutigen Meldung gehört. Ich empfehle diesen hier : http://player.nos.nl/index.php/media/play/tcmid/tcm:5-577678/

Beide Herren klingen auf ihre Weise irrsinnig radiogen. Ich spitze meine Ohren und versuche mein Bestes. Am Anfang sprechen sie sehr dynamisch, schnell und langsam wechselt häufig. Knackige Silben werden ausgekostet (goed gaad — chuudt chaad). Vor allem im hinteren Teil des Berichts wird es dann inhaltlich und sprachlich handfester. Ich bin wirlich sehr gespannt, was dieses Abkommen wird. Ich drücke die Daumen.

Sag mal, spinnt ihr?

In Het Leventje on 9. Oktober 2009 at 23:22

Es gibt Überraschungen und Überraschungen. Eine letztere ist für mich der hohe Kommunikationsbedarf niederländischer Institutionen und der rege Gebrauch, den sie vom Kommunikatonsmittel Briefpost machen. Jeder will einem dauernd irgendetwas mitteilen. Und überall hat man sich ja irgendwie registriert. Bei der Bahn, beim Vermieter, bei der Stadt, beim Museum beim Archiv bei der Uni bei was weiß ich alles. Und mein Parcours ist noch ein Witz, gemessen an dem was Nicht-Eu’lern alles abverlangt wird. Tolles Wortbild. Im ’ liegt die Zukunft. Hier werden Collega’s (yes, eindeutig Plural, aber regelkonform) mit ’ geschrieben. Dat is unser eim ja nix.

Hier hat’s aber auch Tradition. Den Haag war schon des Graven Hag und ” ’s-Gravenhage ”. Niederländisch hat eine Apostrophtradition, in jedem Fall eine andere, als unsere. Mal sehen, ob ich mehr darüber rausfinde. Allerdings sind sie bei der Unterscheidung von echtem und von falschen Apostrophen nur etwas besser als bei uns. Jedenfalls im “vernacular”, wie es wieder in meinem Leben aufpoppt.

Alle wollen einem schreiben, manche mehr, manche weniger hochfrequent. Mein Briefkasten wird ganz ordentlich gefüttert. Um so ärgerlicher ist, je höher der Briefkasten montiert ist. Meiner so hoch, dass ich auf die Zehenspitzen gehen muss, um den Boden sehen zu können. Und: der Kasten ist verdammt riesig, eigentlich schon als Papiermülltonne konzipiert. Fehlt nur der Henkel zum rausziehen und wegkippen. Na, ganz so voll ist er auch nicht, aber ich bin wirlich zu kurz, um auf einen Blick zu sondieren, ob sich die Mühe lohnt, mit meinen kurzen Ärmchen in die hohe tief Box zu greifen, um eventuell einen Gruß aus der Heimat oder eine neue Bankkarte zu erwischen.

Aber Wegkippen geht auch wirklich gar nicht, weil neben den bunten Konsumblättchen oft großformatige (A5/C5) Briefe mit dabei sind, die manchmal nicht unwichtig sind. Hier die aktuellen Beispiele der letzten drei Tage.

Niederländische Bahn

Diese Post kam für Abi (mein Vormieter). Ich skype ihn dann an, und frag, was ich machen soll. Auf, wegschmeißen ? Die niederländische Bahn (http://ns.nl/) versucht seit Monaten ihn zur Verlängerung seiner Bahncard zu treiben. Aber er ist schon weg. Und die haben schon drei oder vier solcher Briefe geschickt. Ok, »Holland« ist klein, aber was für eine Materialverschwendung. Wie wärs bitte mit E-Mail mit Needuuknopf ? Regenwald ? Klimawandel ?

Die Bahn ist echt der Hammer:

Bahn-Post: Anschreiben, Vertragsformular, Rückkuvert, postrei.

Anschreiben, Formularbogen zweiseitig, Rückantwort-Kuvert. Die ganze Mache ist sehr professionell, aber man fragt sich, was es überhaupt soll. Nein, die Bahn hat nicht den Stellenwert meines Handyanbieters. Und nein, ich bin nicht in der Gemeinde der Vielreisenden, ich fahr halt mal rum und dann lohnt es sich schon. Aber ich kauf es mir, wenn ich es brauche. Sehr merkwürdig ist auch, dass draußen nicht draufsteht, was drin ist. Ich kenn eure ganzen Logos noch nicht alle, wie hübsch sie auch anzusehen sein mögen und der Name eines Instituts ist mir Orientierung, Rat und Hilfe. Weniger Reduktion ! Less is less.

Meine Hausverwaltung.

Meine Hausverwaltung.

Doch auch an mich kommt Post. Meine allererste war eine Urlaubskarte von meinen Eltern und meiner Schwester. Das war nett, als Willkommen. Und dann ging es fix los mit der Hausverwaltung. Die ist sympathisch, aber sie schicken gerne Leute hierher und man kriegt die Termine nicht mit. Andererseits schreiben sie gerne Kundenpflegebriefe. Auch die sind nett, aber nie von denen zu Unterscheiden, in denen was ECHT WICHTIGES drinsteht. Mahnung, Wasserabstellung, Kammerjäger, wer weiß schon ? Jepp: Wasserabstellung. Berliner Vermieter schreiben einem weniger, oder ? Jedenfalls mag ich das. No news: good news – only news when bad news. Mach ich ein Managertraining draus.

Gemeente Den Haag — Dienst Stadsbeheer

Gemeente Den Haag — Dienst Stadsbeheer

Der dritte Brief ist von der Gemeente Den Haag — Dienst Stadsbeheer. Außen unauffällig hochgebirgsdunkelsteingrün, innen zwischen Anschreiben (zweiseitig A4) und Telefax (Reproqualität s/w). Die Farben des Fotos kommen nicht ganz hin. Das Grün ist noch etwas matter und unaufgeregter. Sie informieren, wenn ich es recht verstehe, über ein stadtbauliches Vorhaben in meinem nahen Umfeld, den Bau einer Volautomatischen Autoberging. Sie wollen die Innenstadt verkehrsfreier bekommen und planen eine Stärkung des Rings um die Kernstadt. Die Garage ist Teil eine Entwicklungsplans. Ich werde darüber informiert, dass es sowas wie eine Bürgerversammlung/Anhörung dazu gibt. Datum und Ort der Versammlung sind nicht deutlich hervorgehoben, aber im ersten Absatz.

Auf der beigefügten zweiten Seite werde ich informiert, was für ein Vorhaben ansteht, was die planerische Absicht ist (Schmackhaftmachung) und dass meine Stadt, inklusive Gracht, keinen Schaden nehmen wird, sondern vor allem die Gracht da bleibt, wo sie ist und alles neu eingerichtet und städtisch gepimpt wird. Des weiteren wird mir angesagt, welche Gehsteige während der Bauzeit Ungemach verursachen könnten und derlei Dinge mehr. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, in den letzten fünf Jahren in dieser Form von meinem Berliner Bezirk unterrichtet worden zu sein. Aber jetzt mal an beide: wann fangt Ihr eigentlich an, e-Mails zu benutzen ?

Tour d’Horizon

In Het Leventje on 21. September 2009 at 00:20
BA-Man, Den Haag

BA-Man, Den Haag

Stadtlandschaft Den Haag

Stadtlandschaft Den Haag

Outerskirts Den Haag

Outerskirts Den Haag

Monster

Monster

Kätzchen

Kätzchen

Coördinator

Coördinator

Tierklinik Monster

Tierklinik Monster

Abwrackprämie

Abwrackprämie

Beleza hollandesa

Beleza hollandesa

Geißen

Geißen

Pferd

Pferd

Europort

Noordzee

Europort

Dorpskerk

Dorpskerk

Brasilien reloaded

Brasilien reloaded

Wow

Wow

K

K

Flutschutztor

Flutschutztor

Nationalstraat

Nationalstraat

Racing Inn

Racing Inn

Never take the same way twice.

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 20. September 2009 at 23:04
Brätling

Brätling

Die Lebensweisheit hat sich heute erfüllt. Ich hab mich auf’s Rad gesetzt und bin nach Hoek van Holland gefahren. Gesamtkilometer geschätzt 50 km, von halb Drei bis etwa 8 Uhr, mit vielen Breaks zum Fotografieren und Kucken und Staunen. Mittagspause in Hoek van Holland mit frittiertem Fisch und Pommes. Die ersten guten Fritiersachen, die ich hier bisher bekommen habe und wie gut ! Der Fisch war frisch und wurde mir gezeigt, bevor er in flüssigen Teig gesteckt und nei die Fridöös geschmissen wurde. Ich bin fast ausgerastet, so niedlich fand ich das. Fisch und Panade waren so köstlich, dass ich keine Stipfsauce bestellt habe. Die hätt ich nämlich ansagen müssen, wenn ich das gewollt hätte, aber daran hab ich gar nicht gedacht. Aber eben: das Zeug war so gut, dass ich gar kein Verlangen hatte, den Stipf nachzuordern. Das mach ich beim nächsten Mal, wenn der so gut ist wie sonst alles, könnte es spektakulär sein. In dem Laden waren sie ganz verwundert, dass ich fotografieren wollte, wie sie den Fisch rausziehen, wenn er fertig ist. Der Bräter war sogar so freundlich, mir anzubieten, dass er mich rufen würde, sobald der Moment da sei. Weil ich schon meine Kamera gezückt hatte und dachte schwuppwupp geht das. Aber nix, der Fisch muss schon ein paar Minuten im heißen Fett baden. Draußen wurde dann gottseidank gerade was frei und ich konnte mich setzen, voller Vertrauen auf die Aufrichtigkeit des jungen Mannes.

Terminal Hoek

Terminal Hoek

Und piffpaff setzte sich eine sehr guterhaltene Frau zu mir, die kurz davor steht, als »älter« bezeichnet zu werden. Ich hab ihr erzählt, wo ich so herkomm und was ich hier mache. Sie dachte zunächst, ich sei gerade von der Fähre aus Harwich gefallen, die tatsächlich gleichzeitig mit mir ankam, am Hafen. Die Dame entpuppte sich als gebürtige Britin, die früher auf der Fähre gearbeitet hat. Als was, war ich leider zu dumm, zu fragen. Wegen der Fähre sei sie nicht in Hoek van Holland hängen geblieben. Aber das sei eine andere, lange Geschichte. Ein Moment des Schweigens. Dann haben wir etwas darüber geredet, was es denn auf der anderen Seite so gäbe. Offenbar nicht viel. Und wenn ich darüber nachdenke, gibt es direkt in Hoek eigentlich auch nicht gerade viel. Mir gefällts, aber massentourismussfähig finde ich es eigentlich nicht. Trotzalledem scheint das Fährbusiness wohlauf zu sein, was mich ehrlichgesagt total wundert. Aber natürlich möchte ich sie auch unbedingt mal nehmen. Infos hab ich eingesteckt. Weiß nur nicht, wann das passen soll, denn die Überfahrt ist mit 8 Stunden ganz schön lang.

Hoekse Vishandel

Hoekse Vishandel

Dann haben sich noch zwei Niederländer dazu gesetzt und das Gespräch ging auf Niederländisch weiter. Ich hab zwar echt viel kapiert, worums bei denen ging, aber mitreden hätte ich gar nicht können. Ich hab dann halt irgendwann auf Englisch geantwortet, was ganz unproblematisch akzeptiert wurde. Die Holländer sprechen weniger gut Englisch, als ich gedacht habe. Mein Cliché war, dass sie alle super reden, weil sie ja soviel Anglokram im Original konsumieren. Aber: das trifft für einen großen Teil der Bevölkerung zu, aber eben nicht für den anderen. Handwerker etwa und Verwaltungsangestellte und Verkäuferinnen sprechen oft schlecht oder gar kein Englisch. Wenn man also mit allen Niederländern tatsächlich in Kontakt kommen möchte, muss man sich die Mühe schon machen. Gut an den Niederländern ist, dass sie im Fall einfach Niederländisch weiterreden und kucken, ob man’s kapiert. Und das geht beim Praktischen recht einfach. Zahlsituation, kaputtes Fenster zeigen, Unterschrift geben, da versteht man natürlich jedes Wort. Das ist aber auch extrem wenig.

Dutch UFO

Dutch UFO

Nach dem Mahl bin ich reingegangen, um zu zahlen. Ich fragte den Brätling, was das denn für ein Fisch gewesen sei, der so köstlich und so frisch war. Cod, sprach er und es war Englisch. Und wie nennt man ihn auf Niederländisch ? Leckerböck. Leckerböck? Yeah. Ich verabschiedete mich von ihm und von meinem Tisch. Die Damen und Herren zeigten Beachtung für meine sportliche Leistung, von Den Haag mit dem Rad hergekommen zu sein. Was ich nett fand, aber auf ihr Alter oder ihre Höflichkeit zurückführe. Ah, and: nice to meet you ! Ich habe nicht zweimal den gleichen Weg genommen und diese Entscheidung wurde mit Orientierungsproblemen, Gewerbegebieten und Strecken entlang von Nationalstraßen belohnt. Was für eine Siedlungsdichte, was für Orte, was für Gewächshäuser. Die stehen nicht nur im Supermarkt in Holland, nein, die stehen da auch in echt. Ich bin ein nasser Schwamm nach einem Bad in Zuid-Holland.

Lokalrunde

In Binnen, Het Leventje on 19. September 2009 at 11:56
Jon, Nils, Yohanna

Jon, Nils, Yohanna

Meine Kollegen im TM-Kurs kurz vorgestellt. Jon aus Dänemark hat die letzten Jahre als Freelancer gearbeitet, Nils aus Kiel ist grade mit seinem Erststudium an der Muthesius fertig, Yohanna-Mi aus Frankreich war an der Estienne in Paris, danach für einen Master in London und macht jetzt ihren zweiten in Den Haag.

Jon, Slávka, Nils

Jon, Slávka, Nils

Hier in der Mitte sitzt Slávka aus der Slowakei. Sie hat zwei Studien parallel gemacht. Buchgestaltung und Buchbinderei in Brno, Tschechien und Grafikdesign in der Slowakei.

Irina, Frank und Tânia

Irina, Frank und Tânia

Irina kommt aus Moskau und liebt es, den Sommer im russischen Norden zu verbringen. Sie hat schon sehr viel Erfahrung in Schriftentwurf. In der Mitte sitzt Frank, der in Hof aufgewachsen ist (noch ein Franke), in Saarbrücken studiert hat und zuletzt in Berlin gewohnt und gearbeitet hat. Links daneben die Tânia aus Portugal, die in Caldas da Rainha studiert und zuletzt in Lissabon gearbeitet hat.

Jan Willem, Martina, Brigitte und Kristyan

Jan Willem, Martina, Brigitte und Kristyan

Jan Willem ist der Koordinator unseres Kurses. Mit ihm werden wir einige Grafikdesignübungen haben. Aber er sieht seine Aufgabe auch darin, uns die Niederlande zu zeigen. Mit ihm machen wir einige Exkursionen und viele Ausflüge in fachrelevante Einrichtungen. Martina ist aus Buenos Aires, Argentinien, und hat einige Jahre Berufserfahrung als Grafikerin und Lehrerin. Brigitte stammt aus München, ist über Stationen in Italien, Portugal und Brasilien schließlich in Montréal gelandet, wo sie zuletzt ebenfalls als Lehrerin und Grafikerin gearbeitet hat. Kristyan stammt aus dem Libanon und ist, wie sein Name schon andeutet, Christ. Er hat als Grafiker und Schriftgestalter schon ein bisschen Erfahrung gesammelt, u. a. in Dubai. Er hat sich zum Ziel gesetzt, unser Bild vom Nahen Osten mal etwas zu pimpen, wofür ich sehr empfänglich und dankbar bin.

Leere Versprechen

In Het Leventje on 19. September 2009 at 11:18
Viel & Mehr

Viel & Mehr

»Brot & mehr«, »Musik & mehr«, »Urlaub & mehr« … Mehr-Formeln sollte man immer vermeiden, da sie ein Versprechen nicht steigern, sondern lediglich verwässern. In diesem Sinne ziehe ich den Hut vor diesem Beispiel, in dem gleich ganz auf inhaltliche Kommunikation verzichtet wird. Viel & mehr lässt alles offen, dass sollte dann ja wirklich jeden interessieren. Durch Googeln habe ich rausgefunden, dass es sich um ein spanisches Grillhaus handelt.