Fritz Grögel

Archive for the ‘Productwatch’ Category

Approximation

In Het Leventje, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 22:30

Gebakkram_01

Gebakkram_02

Gebakkram_03

Sinterklaas

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 21. Dezember 2009 at 20:49

Groote Kerk

Seit etwa zwei Wochen ist es kalt geworden und klar und inzwischen sogar sehr weiß. Auch Holland liegt unter Schnee, was zu großem Verkehrschaos führt, auch bei den Schienenwegen durch die Stadt und übers Land. Mir ist es Grund zur Freude. Endlich kommt auch die Sonne mal wieder durch, nach vier Wochen Regen, von oben, von links, von rechts, von vorn.

Außerdem ist nichts schlimmer, als eine frühlingshafte Vorweihnachtszeit. Aber Weinachten spielt hier in den Niederlanden nicht die größte Rolle. Sinterklaas ist Trumpf, der heilige Nikolaus. Der kommt in Den Haag am Abend des 5. Dezember und bringt den Kindern Geschenke, wenn sie denn artig waren. Die Basisgeschichte geht so: Sinterklaas kommt mit einem Schiff aus Spanien. Er hat mehrere Helfer, Mohren, die Zwarte Piet heißen. Das schon mal nicht verwechseln mit Piet Zwart. Im Land fliegt Sinterklaas dann auf einem weißen Schimmel herum und verteilt seine Gaben durch den Schornstein in die Kinderschuhe.

Sinterklaas in der Oude Mol

Ganz erstaunlich ist allerdings, was niederländische Kultur und Industrie um diese Geschichte herum alles aufgebaut haben. Es geht damit los, dass die Ankunft des Sinterklaas (mit einem Dampfschiff) in den Niederlanden Mitte November live im niederländischen Fernsehen übertragen wird. Die Kinder werden ab da regelmäßig im Sinterklaasjournaal über den Stand der Dinge auf dem laufenden gehalten. Und natürlich gibt es immer wieder ernste Probleme, die zum Ausbleiben der Geschenke führen könnten.

Zwarte Piet aus Schokolade

Etwa zeitgleich kommen die Sinterklaas-Artikel in die Supermärkte. Man kann extra große Karotten kaufen, die speziell dazu dienen, das Pferd vom Nicolaus anzulocken. Fest zum Repertoire gehören auch Buchstaben aus Schokolade, die es traditionell zu Sinterklaas gibt. Die wiederum gibt es in edel und lecker (eher für die Großen) und in billo und süß. Mir hat Yohanna einen Schwarzen Peter aus guter Schokolade geschenkt. Hab ich aber noch nicht angebissen. Das ganze gipfelt dann darin, dass bei Albert Heijn in der Woche vor dem Fest Pappaufsteller im Eingang stehen, in die Kinder ihre Schuhe stellen, um sie vom Konzern beschickt wieder abzuholen.

Erst seit wenigen Jahren werden Stimmen lauter, die die Figur des Schwarzen Piets als eine rassistische Karrikatur des schwarzen Sklaven der niederländischen Kolonialgeschichte sehen. Seine Rolle ist zwiespältig, einerseits bringt er die Geschenke als Handlanger des Nikolaus, andererseits ist er auch fürs Bestrafen zuständig. Verteidiger versuchen klar zu stellen, dass der Schwarze Piet nur schwarz ist, weil er durch den Schornstein geht. Meine Schokladenfigur sagt mir da etwas anderes. Im Großen und Ganzen wollen die Niederländer von Rassismus in diesem Kontext nichts wissen, die Diskussion scheint von außen aufgedrückt. Diese Tradition ist ihnen zu lieb und zu heilig. Vielleicht wäre es ein Weg, auf Lippenrot, Schokofarbe und Kraushaarperrücke zu verzichten und die Gesichter mit echtem Ruß zu schwärzen. Vielleicht nehm ich euch das dann ab.

Kein Problem habe ich wiederum mit den Grüppchen Sinterklaas-und-Zwarte-Pieten, die abends durch die Kneipen ziehen, denn sie schmeißen Streugut. Ein weiteres holländisches Hitwort für meine Liste ! Streugut besteht überwiegend aus Spekulatius und ist richtig lekker.

Buntes

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 17. November 2009 at 12:40

Knorrfix für Dürüm

Großartige Initiative von Knörr: Dürüm jetzt zu Hause einfach selber machen ! Das geht wie mit dem Zauberstab und schmeckt der ganzen Familie. Ich bin ziemlich sicher, dass sich die Türkischen Dönermänner nicht sehr fürchten müssen.

Typhoon Mode

My Phoon is your Phoon.

Passende Mode für Sie und Ihn könnte ich jetzt im Lederatelier Typhoon kaufen. Das liegt auf meinem Weg zum Supermarkt. Nur leider hat der Laden immer schon zu, wenn ich hier vorbeikomme. Öffnungszeiten in Den Haag sind superprovinziell. Von 9 bis 6, manchmal 7, am langen Donnerstag (!) bis 9 oder 10. Meistens komme ich um halb Zehn aus der Academie. Also nix mit shopping. Nur Albert Hein hat immer und überall bis 10 auf. Und da grüßt mich dann eben dieses schöne Schild, dessen kommunikative Kraft nicht sehr verlässlich ist, also her mit roten Neonpfeilen. Großes Werbekino !

Hundepups

»Hondenpoep« (sprich Hondenpuup) ist eines meiner aktuellen Lieblingswörter, stark in Wettstreit mit »Uitvaartkist«. Letzte Ausfahrt: Kiste. Ich habe am Wochenende in Ludwigsburg übrigens festgestellt, dass wir im Deutschen für UI doch einen annähernden Laut haben, und zwar das schwäbische AU. Das ist ähnlich nasal und verzogen. Mein schwäbischer Lieblingwitz geht so: Kommt ne schwangere Frau zum Bäcker und sagt: I krigg a Broodt. Sagt der Bäcker: Sachen gibt’s !

Never take the same way twice.

In Het Leventje, Nederlandse Taal, Productwatch on 20. September 2009 at 23:04
Brätling

Brätling

Die Lebensweisheit hat sich heute erfüllt. Ich hab mich auf’s Rad gesetzt und bin nach Hoek van Holland gefahren. Gesamtkilometer geschätzt 50 km, von halb Drei bis etwa 8 Uhr, mit vielen Breaks zum Fotografieren und Kucken und Staunen. Mittagspause in Hoek van Holland mit frittiertem Fisch und Pommes. Die ersten guten Fritiersachen, die ich hier bisher bekommen habe und wie gut ! Der Fisch war frisch und wurde mir gezeigt, bevor er in flüssigen Teig gesteckt und nei die Fridöös geschmissen wurde. Ich bin fast ausgerastet, so niedlich fand ich das. Fisch und Panade waren so köstlich, dass ich keine Stipfsauce bestellt habe. Die hätt ich nämlich ansagen müssen, wenn ich das gewollt hätte, aber daran hab ich gar nicht gedacht. Aber eben: das Zeug war so gut, dass ich gar kein Verlangen hatte, den Stipf nachzuordern. Das mach ich beim nächsten Mal, wenn der so gut ist wie sonst alles, könnte es spektakulär sein. In dem Laden waren sie ganz verwundert, dass ich fotografieren wollte, wie sie den Fisch rausziehen, wenn er fertig ist. Der Bräter war sogar so freundlich, mir anzubieten, dass er mich rufen würde, sobald der Moment da sei. Weil ich schon meine Kamera gezückt hatte und dachte schwuppwupp geht das. Aber nix, der Fisch muss schon ein paar Minuten im heißen Fett baden. Draußen wurde dann gottseidank gerade was frei und ich konnte mich setzen, voller Vertrauen auf die Aufrichtigkeit des jungen Mannes.

Terminal Hoek

Terminal Hoek

Und piffpaff setzte sich eine sehr guterhaltene Frau zu mir, die kurz davor steht, als »älter« bezeichnet zu werden. Ich hab ihr erzählt, wo ich so herkomm und was ich hier mache. Sie dachte zunächst, ich sei gerade von der Fähre aus Harwich gefallen, die tatsächlich gleichzeitig mit mir ankam, am Hafen. Die Dame entpuppte sich als gebürtige Britin, die früher auf der Fähre gearbeitet hat. Als was, war ich leider zu dumm, zu fragen. Wegen der Fähre sei sie nicht in Hoek van Holland hängen geblieben. Aber das sei eine andere, lange Geschichte. Ein Moment des Schweigens. Dann haben wir etwas darüber geredet, was es denn auf der anderen Seite so gäbe. Offenbar nicht viel. Und wenn ich darüber nachdenke, gibt es direkt in Hoek eigentlich auch nicht gerade viel. Mir gefällts, aber massentourismussfähig finde ich es eigentlich nicht. Trotzalledem scheint das Fährbusiness wohlauf zu sein, was mich ehrlichgesagt total wundert. Aber natürlich möchte ich sie auch unbedingt mal nehmen. Infos hab ich eingesteckt. Weiß nur nicht, wann das passen soll, denn die Überfahrt ist mit 8 Stunden ganz schön lang.

Hoekse Vishandel

Hoekse Vishandel

Dann haben sich noch zwei Niederländer dazu gesetzt und das Gespräch ging auf Niederländisch weiter. Ich hab zwar echt viel kapiert, worums bei denen ging, aber mitreden hätte ich gar nicht können. Ich hab dann halt irgendwann auf Englisch geantwortet, was ganz unproblematisch akzeptiert wurde. Die Holländer sprechen weniger gut Englisch, als ich gedacht habe. Mein Cliché war, dass sie alle super reden, weil sie ja soviel Anglokram im Original konsumieren. Aber: das trifft für einen großen Teil der Bevölkerung zu, aber eben nicht für den anderen. Handwerker etwa und Verwaltungsangestellte und Verkäuferinnen sprechen oft schlecht oder gar kein Englisch. Wenn man also mit allen Niederländern tatsächlich in Kontakt kommen möchte, muss man sich die Mühe schon machen. Gut an den Niederländern ist, dass sie im Fall einfach Niederländisch weiterreden und kucken, ob man’s kapiert. Und das geht beim Praktischen recht einfach. Zahlsituation, kaputtes Fenster zeigen, Unterschrift geben, da versteht man natürlich jedes Wort. Das ist aber auch extrem wenig.

Dutch UFO

Dutch UFO

Nach dem Mahl bin ich reingegangen, um zu zahlen. Ich fragte den Brätling, was das denn für ein Fisch gewesen sei, der so köstlich und so frisch war. Cod, sprach er und es war Englisch. Und wie nennt man ihn auf Niederländisch ? Leckerböck. Leckerböck? Yeah. Ich verabschiedete mich von ihm und von meinem Tisch. Die Damen und Herren zeigten Beachtung für meine sportliche Leistung, von Den Haag mit dem Rad hergekommen zu sein. Was ich nett fand, aber auf ihr Alter oder ihre Höflichkeit zurückführe. Ah, and: nice to meet you ! Ich habe nicht zweimal den gleichen Weg genommen und diese Entscheidung wurde mit Orientierungsproblemen, Gewerbegebieten und Strecken entlang von Nationalstraßen belohnt. Was für eine Siedlungsdichte, was für Orte, was für Gewächshäuser. Die stehen nicht nur im Supermarkt in Holland, nein, die stehen da auch in echt. Ich bin ein nasser Schwamm nach einem Bad in Zuid-Holland.

Togo

In Productwatch on 13. September 2009 at 00:55
10 Togo

10 Togo

Hier in Den Haag habe ich mit gewissen Produkten ein Problem. Bei den Rauchwaren zum Beispiel. Meinen Tabak gibt es nur in den besseren Tabakläden, aber nicht in den Spätis, die hier »Avondwinkel« heißen. Ebenso gibt es nicht das mir vertraute Zigarettenpapier von OCB. OCB gibt’s eigentlich nirgends, mal abgesehen von Spezialpapieren für Spezialrauchwarenumhüllung. Die beiden verbreitetsten Papierchen-Marken sind Rizla und vor allem Mascotte. In den Rizla-Papers habe ich neulich eine kleine Überraschung gefunden. »10 TO GO« stand da plötzlich. Und ich musste unweigerlich an meine Jugend denken, in der bei den Muskote-Blättern die Warnung »Es bleiben 5 Blättchen« erschien. Schlau finde ich, dass die Warnung etwas zeitiger kommt. 10 Zigaretten raucht man auf ner Party ja locker weg, da weiß man besser schon vor dem Aufbruch, dass man auf dem Weg noch welche kaufen sollte. Aber woher hier das TOGO ? In Deutschland haben wir uns ja mitlerweile daran gewöhnt, dass »zum Mitnehmen« zu TOGO wird, obwohl »take-away« ja richtiger zu sein scheint. Aber hier bedeutet es ja eigentlich ganz was anderes: »Da waren’s nur noch zehn, drum wirst du wohl bald geh’n«. Englische Nativsprecher, was sagt ihr dazu ?